Donnerstag, 17. März 2016



Wähler verteilen deftige Ohrfeigen

J. Miehe 13.3.16


Auch die Linke im weiteren Sinn hat von den Wählern der AfD eine deftige Ohreige erhalten – wollte sie doch gerade diesen Rechtsruck verhindern.


Der aber hat nun mit und für die auch ökonomisch reaktionäre Partei stattgefunden – Parlamentssitze und Finanzierung – Hoffähigkeit auch durchs Fernsehen, Stärkung der Partei-Organisation und sicher auch Zustrom von Parteimitgliedern und Ermunterung einer großen Wählerschaft!
Was also hat die Konzentration auf Anti-Rechtspropaganda und offensive Unterstützung der verlogenen, und nur vorgeblichen Willkommenspolitik der Regierung und ihrer Parteien gebracht? - 

Die Stärkung des rechten Lagers. 

Statt dass PDL und auch die DKP offensiv die Umsetzung eines breiten Konjunktur- und Sozialprogramms schon am Anfang des Stroms an Zuwanderern propagiert haben, mit dem
  •  Wachstum, 
  • Arbeitsplätze und Lohnerhöhungen erzeugt, 
  • sowie sozialer Wohnungsbau und Ausbau der sozialen Infrastruktur in Angriff genommen – sowie 
  • die Erhöhung des Mindestlohnes, und 
  • Beseitung der Ausnahmen, 
  • Erhöhung der Hartz IV-Sätze, 
  • Abschaffung der Bestrafungen und 
  • des Annahmezwanges 
hätten erreicht werden sollen - stattdessen haben sie auf eine negative Identitätspolitik gesetzt und die Mitmenschlichkeit in eine Gemeinsamkeit der Interessen umgedeutet (DKP: gemeinsam kämpfen, wir lassen uns nicht spalten):Volle staatliche Unterstützung für die Flüchtlinge und politisch-moralische Bekräftigung für die zivilgesellschaftliche "Willkommenskultur" – 
dagegen kein „Kümmern“ um die Sicherung und Verbesserung der schon vorhandenen einheimischen Bevölkerung 
bei Arbeitsplätzen, Löhnen, Schul- und Ausbildungssystem, Wohnungen und sozialen Leistungen.
Damit haben sie der Propaganda von rechts – Deutsche zuerst - Tür und Tor geöffnet.
Wann hat es eine solche Zuwendung und Fürsorge des Staates und der zivilen Unterstützung für die schon vorhandene soziale Unterschicht in der BRD gegeben?

Stattdessen Verhöhnung und Diskriminierung von Hartz IV-Empfängern und auch der schon vorhandenen Migranten. Wobei die willentliche Verarmung von alleinerziehenden Frauen durch die Un-sozialgesetze eine besonders perfide Angelegenheit ist – und eine gesellschaftlich katastrophale dazu – weil die individuellen und sozialen Folgen zerstörerisch und teuer und die ökonomischen Folgen ebenfalls teuer und Sand im Getriebe darstellen.

Diese Politik wurde von einer gewaltigen Propagandawelle getragen und die völlig berechtigten ökonomischen und sozialen Bedenken als dumpfe rechte nationalistische Einstellung gebranntmarkt. 

Die entsprechende politische Lagerbildung wurde von den Parteien der Großen Koalition und von den Grünen, sowie von allen Main-Stream-Medien massiv unterstützt – also allen politischen Kräften, die mit ihrer neoliberalen Wirtschafts- und Sozialpolitik die Verarmung und Schutzlosigkeit von prekär Beschäftigten, von Arbeitslosen und Armen vorangetrieben haben und die Opfer ihrer Politik für ihr erzeugtes Elend noch schuldig gesprochen haben.

Keine fortschrittliche politische Kraft hat die Befürchtungen inhaltlich aufgenommen und in fortschrittliche Forderungen und Programme gegossen. 
Wie kann man sich da wundern, dass dies von der Rechten mit ihren Parolen aufgenommen wurde und von einem Teil der Betroffenen und Wähler dankbar begrüßt wurde? 

Wenn geleugnet wirddass der Zuzug von vielen hunderttausend Flüchtlingen und Migranten 

  • die Konkurrenz am offiziellen und am informellen Markt für Arbeitskräfte nachdrücklich anheizt und damit 
  • die Zahl der Arbeitslosen steigt, 
  • die Löhne gedrückt werden, 
  • die Nachfrage nach den zu wenigen Sozialwohnungen steigt und damit auch 
  • die Mieten, und 
  • dann den höchst wahrscheinlich davon Beeinträchtigten Einwohnern, worunter gerade auch viele schon länger anwesende Migranten gehören, erzählt wird, 
  • sie sollten solidarisch mit den Opfern eines weit entfernten Krieges sein 

– der sollte sich nicht wundern, wenn er bei einem Teil der Wähler eine Reaktion nach Rechts erzielt. 

Zwar hat Flassbeck mit seinem neuesten Kommentar zur volkswirtschaftlichen Dimension der Flüchtlingsfrage Recht, wenn er auf die ProKopf Größen im Promille-Bereich verweist. Aber konkret wirkt das alles eben vor allem nur auf 40 bis 30 % der Bevölkerung und dort auf besonders verwundbare Schichten und Gruppen und wirkt auf die schon jetzt völlig einseitigen ökonomischen, sozialen und auch politischen Kräfteverhältnisse!
Heiner Flassbeck Die eingebildete Flüchtlingsrepublik 14. März 2016
http://www.flassbeck-economics.de/die-eingebildete-fluechtlingsrepublik/

Ein anderes schweres Defizit der linken Kräfte in der Behandlung der Flüchtlingsfrage besteht in dem weitgehenden Schweigen über die Beteiligung der Bundesrepublik und der Bundesregierungen an der Organisierung des terroristischen Stellvertreterkrieges islamistischer Kräfte gegen den säkularen Staat Syrien, 

worauf ich in meinem post vom  9.3.16 schon hingewiesen hatte:
Perthes als Strippenzieher des Krieges in Syrien
Seit 2005 beteiligte sich der deutsche Akademiker Volker Perthes mit der CIA an der Vorbereitung des Krieges gegen Syrien.
Er leitet die große wiss. Beratungseinrichtung der Bundesregierung , die Stiftung Wissenschaft und Politik (SWP).

http://www.zeit-fragen.ch/index.php?id=2368

Im Original: 
Deutschland und die Uno gegen Syrien
von Thierry Meyssan
http://www.voltairenet.org/article190087.html

Das Linke Lager hätte mit Verweis auf diesen Hintergrund von der Regierung fordern müssen, sofort die Unterstützung des Terrorkrieges der anderen Westmächte und der Paten Türkei und Saudi-Arabien zu unterlassen:

  • Rückzug der militärischen Beteiligung am angeblichen Feldzug gegen ISIS, 
  • Ausstieg aus dem Embargo gegen Syrien, 
  • Ausstieg aus dem Anti-Syrien-Bündnis der „Freunde Syriens“, 
  • Aufgabe der Unterstützung der angeblichen zivilen und säkularen Opposition
  •  auch in der BRD und 
  • Wieder-Aufnahme der diplomatischen Beziehungen, sowie 
  • massive Unterstützung der vielen Millionen Binnenflüchtlinge im Gebiet des noch staatlich kontrollierten und friedlichen Territoriums von Syrien. 

Das wäre das sinnvollste, und das humanitäre Programm für die Eingrenzung der Fluchtbewegungen gewesen und könnte es noch sein. 

Aber da hätte man sich gegen die Dämonisierung von Assad als neuem „Schlächter“ der eigenen Bevölkerung wenden und die Romantisierung der terroristischen islamistischen Gruppen als demokratische Untergrund- und Befreiungskämpfer, vor allem auch durch die Grünen. wenden müssen. 


Und selbst die DKP hat es nicht vermocht, den Hintergrund der Zerstörung von Staatlichkeit und zivilen Verhältnissen in Syrien in den Kontext der vorherigen Aktionen der Zerstörung von Libyen, des Irak, von Afghanistan und den Kriegen gegen den Iran zu stellen, die alle Teile des jahrzehntelangen Feldzuges der USA, Englands und Frankreichs im Nahen Osten zur Kontrolle der Staaten oder ihrer Führungen und der nötigen Transportwege darstellen, um die Aneignung der Renten aus den bis 1980 vollständig verstaatlichten Ölförderung der Nah-Ost-Staaten wieder für die großen Ölkonzerne verfügbar zu machen.
Also die Enthüllung der BRD als Vasall des Öl-Imperialismus der USA, Englands und Frankreichs, also von Exxon u Co, von BP,Shell und Total, gegen die Interessen auch des deutschen Kapitals. (Iran, Irak, Syrien wären schon seit Jahrzehnten gern gute Kunden der Bundesdeutschen Ausrüstungsindustrie geworden!)

Dieser Mangel an materialistischer Analyse und Politik im Interesse der Lohnabhängigen der BRD und der anderen EU-Länder zeigt sich schon seit einiger Zeit in dem scheinbar unaufhaltsamen Aufstieg der rechten in Europa und besonders der EU. 

JM 

Mittwoch, 16. März 2016

Zur Flüchtlingsfrage – eine Zwischenbilanz

J. Miehe - 6.1.16

Die sog. “Flüchtlingsfrage” ist weiter “Brand”-aktuell. 


A - Wo Flüchtlinge “produziert werden. 

Hier sollen die mittelfristig möglichen oder wahrscheinlichen Entwicklungen des Krieges in und um Syrien erwogen werden und ihre vermutlichen Auswirkungen auf die Verschlimmerung oder Verbesserung der “Produktion” von Flüchtlingen in und um Syrien und deren daraus zu erwartende Situation, sowie die Entwicklung der Fluchtbewegungen, die dann auch nach Mitteleuropa und in die BRD reichen werden. 


Die kurze Frist

Kurzfristiger aber gibt es Vorkommnisse und Ereignisse, die die Nachrichten jeweils aktuell dominieren, deren Folgen für die mittelfristige Perspektive nicht unmittelbar klar sind, und deren Urachen und Zusammenhänge oft eher im Dunkeln bleiben. 


Dazu gehört die Hinrichtung von über 50 schiitischen und sunnitischen Personen durch den Staat Saudi Arabien auf einen Schlag, die der Opposition und der Aufwiegelung gegen die Staatsführung, des Hochverrats, teils seit langem angeklagt und verurteilt waren, darunter ein prominenter schiitischer Geistlicher aus der schiitischen Golf-Region SaudiArabiens. Das war ohne Zweifel eine gegen die Schiiten in der Region und den Iran gerichtete Provokation, deren taktischer oder strategischer Sinn viele Spekulationen in den Medien ausgelöst haben, bisher jedoch unklar bleibt. 


Dazu gehört die Verlagerung eines kleineren Truppenkontingentes mit einigen Panzern in den Norden des Iraks in das Gebiet das von den irakischen Kurden weitgehend selbständig von der irakischen Zentralregierung verwaltet wird, ohne diese Zentralregierung zu fragen. Die Reaktion der Koalition der sog. Freunde Syriens und der Anti- IS Koalition (zu der auch die Türkei gehört), die weitgehend identisch sind und unter Führung der USA stehen, war sehr zurückhaltend, obwohl es ein eklatanter Völkerrechtsbruch ist und ganz sicher nicht der Bekämpfung der IS dient, sondern eher dem Separatismus der irakischen Kurden und der Hoffnung der Türkei, eines Tages die nordirakischen Ölquellen zurückzugewinnen, die mit der Auflösung des Osmanischen Reiches nach dem I Weltkrieg verloren gegangen waren. 
Ebenso gehört dazu die militärische Invasion in einige Gebiete und Städte in denen vorrangig die türkischen Kurden siedeln unter dem Vorwand dort PKK-Guerilleros zu bekämpfen.
Konferenzen.


Es gab einige Konferenzen von unmittelbar oder mittelbar am Krieg um Syrien beteiligter Gruppen und Staaten, die auf die Beteiligung oder Beeinflussung der vom UN-Sicherheitsrat einstimmig beschlossenen Resolution für einen Fahrplan von Verhandlungen und Befriedungsschritten für Syrien zielen. Sie zielen natürlich gleichzeitig auf die Vorkonferenzen, die damit im Zusammenhang stehen, auf die Koalitionsbildungen und auf die damit verbundenen Kriegsziele der verschiedenen Koalitionen. 


Zum einen die von Saudi-Arabien eingeladenen verschiedenen islamistischen Kräfte und sunnitischen Staaten, bei den nur wenige inzwischen international, d.h., auch von den USA mindestens verbal geächtete Gruppierungen ausgeschlossen blieben, wie z.B. der IS. Dann gab es eine Zusammenkunft von sog. gemäßigten bewaffneten oppositionellen Kräften, eine andere von nicht-militärisch handelnden Oppositionellen und eine von syrischen Kurden und ihren Verbündeten. 


Sie alle wollen sich zunächst intern und dann untereinander auf eine Delegation für die durch den UN-Sicherheitsrat anberaumte und unter Vorsitz eines UNO-Beamten für Ende Januar angesetzte innersyrische Konferenz einigen, bei der sie dann alle der jetzigen syrischen Regierung und dem Präsidenten gegenüber sitzen werden – und über eine neue Verfassung und Wahlen bis Anfang nächsten Jahren beraten sollen.


Es ist klar, dass die Oppositionsseite nur dann realistische Angebote an die jetzige Staatsführung machen, d.h. zunächst einen sofortigen Waffenstillstand beschließen kann, wenn ihre regionalen Paten, wie die Türkei und die Golfdiktaturen, sowie Jordanien und Israel das zulassen wollen oder müssen, und das hängt letztlich von der Position der USA und der Einheitlichkeit ihrer Apparate, von Präsident, Armee und CIA und deren Lager ab. Und davon, ob die ausgeschlossenen islamistischen Kräfte, wie der IS, tatsächlich von den Seiten der Konferenzteilnehmer aktiv bekämpft oder zumindest nicht mehr unterstützt werden. 


Gerade dieses, die Position der USA und die der regionalen Terrorpaten sind unklar und wahrscheinlich bisher unentschieden. Von dieser Seite her, also von der durch die Resolution des UN-Sicherheitsrates beschlossenen innersyrische Konferenz ist noch kein Waffenstillstand absehbar – und das heißt, der Krieg wird weiter gehen. 
Seit langem ist es den USA gelungen, die BRD in die diplomatische Front und das Embargo gegen die syrische Regierung hinein zu ziehen. Weniger lange ist es her, dass die BRD als Waffenlieferant und Ausbilder des Nordirakischen separatistischen Kurdenstaates gewonnen wurde – angeblich als Hilfe für den Kampf der Kurden gegen den IS. Praktisch natürlich auch als militärische und diplomatische Hilfe für die Eigenständigkeit eines Kurdenstaates gegenüber dem irakischen, schiitisch dominierten Zentralstaat, der außerdem auch mit der syrischen Regierung verbündet ist. Nun ist es darüber hinaus gelungen, eine militärische Beteiligung der BRD in den Konflikt mit ein paar militärisch überflüssigen also nur symbolischen Beiträgen, wie den Aufklärungs-Tornados, angeblich in die Bekämpfung des IS einzubeziehen. Zwar ist das propagandistisch als das Eingehen auf den Hilferuf Frankreichs auf Basis der EU-Verträge öffentlich begründet worden. Aber Frankreich kann sich natürlich auch nur auf Basis der entsprechenden Resolutionen des UN-Sicherheitsrates in und über Syrien bewegen, wenn auch ohne Einwilligung der syrischen Regierung, wie auch die BRD, ohne von der syrischen Luftwaffe oder derjenigen Rußlands bedroht oder gar abgeschossen zu werden. 


Diese französische Aktivität ist von dem letzten wirklich drastischen und dramatischen Terroranschlag in Paris ausgelöst worden – der Anschlag auf die Zeitschrift Charly Hebdo reichte dafür anscheinend noch nicht aus. Für die Franzosen reichte der neuerliche Anschlag, um die BRD um militärische Hilfe zu bitten, und für die BRD-Regierung ein Motiv und einen Vorwand zu haben, dem inständigen Drängen der USA zum Mitmachen im Nahen Osten nachzukommen. Damit das nicht so schnell vergessen wird, wurde noch einmal schnell eine Warnung vor einem angeblich konkret geplanten Terroranschlag in München aus den westlichen Geheimdiensten an die BRD lanciert. Woraufhin die Polizeiorgane das bedrohte Publikum wegräumte und sie so vor dem dann nicht stattfindenen Anschlag und den nicht auffindbaren persönlich genannten Attentätern schützte. Die Konsequenz soll jetzt nicht etwa sein, die eigene Informationsbeschaffung zu verbessern und zu intensivieren, sondern die Kontakte zu den Fehl-Informanten, d.h. den westlichen Geheimdiensten, noch zu verstärken – und sich ihnen faktisch auszuliefern. 
Der Abschuß des russischen Frontbombers durch türkische F-16 Jagdflugzeuge, hat sich als eine länger geplante und gezielte Provokations-Operation erwiesen die nur unter stillschweigender Mithilfe von US-Militär- oder Geheimdienstorganen stattfinden konnte . Die Provokation sollte zumindest die sich anbahnende Zusammenarbeit von US- und russischem Militär bei der Bekämpfung des IS verhindern. Das ist gelungen. Ob sie auch, wirklich brandgefährlich, einen militärischen Schlagabtausch zwischen russischen Kräften und der Türkei und damit evt ein Eingreifen der Nato provozieren sollte, bleibt bisher ungeklärt, ist aber wohl nicht gelungen. Andererseits hat es aber die militär-diplomatische Situation umgekehrt. Das überwältigende Übergewicht der Anti-syrischen Flieger- und Luftabwehrkräfte der USA, der Türkei und der Nato in dem Gebiet um Syrien, konnte bisher aus diplomatischen Gründen nicht gegen das kleine russische Expeditionscorps im Sinne einer Flugverbotszone eingesetzt werden, weil dieses auf Einladung und mit Zustimmung der syrischen Regierung tätig geworden ist – während alle anderen nicht-syrischen Fliegerkräfte dort völkerrechtswidrig tätig sind. So blieb daher die Aufstellung der Patriot-Batterien, darunter auch eine der Bundeswehr in der Türkei, nur eine potentielle Bedrohung der russischen und syrischen Fliegerkräfte. Nun hat die schnelle Reaktion Russlands mit der Aufstellung der S 400 Abwehrraketen und des Raketenkreuzers vor der Küste, mit der offenen Androhung, jede als Angriff interpretierbare feindliche Flugbewegung gegen russische Flieger mit sofortigem automatischem Raketenbeschuss zu beantworten, dazu geführt, dass Rußland mit seinem Raketenschirm über Syrien faktisch eine Flugverbotszone über Syrien errichtet hat, die nur mit ausdrücklicher Anmeldung und Gestattung durch russisches Militär beflogen werden darf und kann. Die Provokation durch den Abschuss der russischen Frontbomber ist also nach hinten losgegangen. 


Der plötzlich, vermeintlich ohne Vorwarnung, über Griechenland, den Balkan, Österreich in die BRD strömende Flüchtlingstreck trieb die BRD erstaunlicher Weise nicht aus der Nah-Ost Koalition der USA hinaus, und in eine neutralere Position, sondern umgekehrt diente er als Bekräftigung für die verstärkte Teilnahme an dem vermeintlichen Anti-Terrorbündnis der USA im Nahen Osten – d.h., praktisch der Verlängerung des Krieges gegen den syrischen Staat und damit der Verlängerung der weiteren Produktion von Flüchtlingen. 


Die mittlere Frist

Bisher können und wollen Flüchtlinge aus Syrien, ob aus der Binnenmigration, aus den Lagern in den Syrien umgebenden Staaten oder aus den provisorischen Aufenthalten in Mittel- und Nordeuropa nicht in ihre Heimatorte zurückkehren – vielmehr treibt der andauernde Krieg in und um Syrien weitere Flüchtlinge in die Welt, vor allem nach Mitteleuropa und hier in die BRD.
Der Krieg gegen Syriens Staatlichkeit ist nicht beendet und ein Friedensprozess steht bisher nur auf dem einstimmig verabschiedeten Resolutions-Papier des UN-Sicherheitsrates – bei grundlegend gegensätzlichen Interessen der Beteiligten innerhalb und außerhalb Syriens, dem Nahen Osten und des “Westens”. 


Einstweilen wird also weiter gekämpft. Wobei die durch die syrische Armee von Terrormilizen befreiten und befriedeten Zonen größer werden und langsam wieder ein zusammenhängendes Gebiet zwischen Mittelmeer, Libanon und Israel im Westen und der Wüste im Osten entstehen lassen. 


Die früher Millionen Einwohner umfassende Stadt Homs und die früher über 500 Tausend Einwohner zählende Stadt Hama sind inzwischen wieder weitgehend unter Kontrolle der syrischen Armee. Die offiziell 2,8 Millionen zählende Region von Damaskus, Sitz der Regierung und der Staatsführung, mit wahrscheinlich vielen Hunderttausenden, wenn nicht Millionen mehr Inlands-Flüchtlingen,  war nicht unter die Kontrolle der Terrormilizen geraten. Aber der Mörserbeschuss aus einigen Vierteln der Außenbezirke konnte bisher nicht vollständig unterbunden werden, weil sich die Milizen in Ruinen und im städtischen Untergrund verschanzt hatten. Diese Außenbezirke werden anscheinend gerade zurück erobert, wobei einige wichtige Führungskader der Terrormilizen getötet wurden. Aber die Beschädigung der Energieversorgung zwingt anscheinend weiter zu regelmäßigen und längeren Stromabschaltungen – eine für die Aufrechterhaltung der öffentlichen und privaten Dienste, aber auch für die materielle Produktion sehr störende Situation.


Von den Großstädten ist nur noch Aleppo, vor der Eroberung durch die Terrormilizen mit 2,8 Millionen Einwohnern in der Stadtregion, unter weitgehende Kontrolle der islamistischen Opposition geraten. Dies unter u.a. deshalb, weil sie im Norden und Westen von der Türkei “umrahmt”ist, und die von dieser unterstützten Terrorgruppen die Stadt nicht nur dort, sondern auch im Osten und Süden eingekreist hatten. Während es in Aleppo vor der Eroberung durch die Islamisten große Unterstützungsdemonstrationen für die Regierung und den Präsidenten gegeben hatte, ist der größte Teil der Einwohner nach der Eroberung schon seit Jahren geflohen. 
Wenn es gelingen sollte, auch Aleppo durch die syrische Armee zurück zu erobern, mit Hilfe des russischen Luftwaffeneinsatzes vor allem vom syrischen Militärflugplatz in der Region Latakia aus, dann wäre die Möglichkeit eröffnet, dass bei militärischem Schutz nicht nur in Aleppo wieder eine Zivilverwaltung eingerichtet werden und mit einer entsprechenden Finanzierung ein Wiederaufbauprogramm beginnen könnte – parallel zu den vom UN-Sicherheitsrat auferlegten innersyrischen Verhandlungen und vor allem der Aufhebung der weitreichenden Wirtschaftsblockade durch die sog. “Freunde Syriens” des “Westens”.


Ob die nördlichen Regionen Syriens, die vorrangig von syrischen Kurden, mittlerweile mit gesicherter syrischer Staatsbürgerschaft, sich an einem solchen Aushandlungsprozess beteiligen, ist unklar. Die bisherige Unterstützung durch die USA, kann sehr schnell einem neuen Accord mit der Führung der Türkei, von Erdogan und der AKP geopfert werden. Ob Bevölkerungsvertreter aus den östlichen Teilen Syriens, die weitgehend aus Wüste und wenigen mittleren Ansiedlungen an Flußoasen bestehen, schon von Beginn an oder überhaupt an den genannten innersyrischen Verhandlungen teilnehmen können, ist völlig offen. Das hängt unter anderem von der Rückeroberung der westlichen Teile des Irak durch die irakische Armee aus den Händen des IS ab. Und dies hängt wiederum davon ab, ob die schiitische Zentralregierung eine Vereinbarung mit den sunnitischen Stämmen des West-Irak findet.


Innere Voraussetzung für Befriedung, Aufbau und Rückwanderung bisheriger Flüchtlinge wäre, dass es gelingt, die zivilen Oppositionskräfte von den Terrormilizen zu trennen und sie in einen wirklich innersyrischen Aushandlungsprozess einzubinden. Wichtigste äußere Voraussetzung wäre, dass die USA und ihre westlichen Verbündeten, jetzt offiziell für Syrien auch die BRD mit der Bundeswehr, ihre Unterstützung der Terrormilizen mit militärischem Gerät, mit Geheimdienstoperationen und mit Finanzen einstellen und ihre bisherige Vorbedingung von Verhandlungen, die faktische Kapitulation der bisherigen Regierung und des Präsidenten Assad, fallen lassen. Wobei es bisher keine Garantie gibt, dass die Verbündeten der USA im Nahen Osten, allen voran die Türkei und Saudi-Arabien, sowie die anderen absolutistischen Fürstentümer, eine solche Politik der USA nicht unterlaufen würden. Bisher ist aber auch die Haltung der USA gegenüber den Terrormilizen, auch dem IS, mehr als doppelbödig, bestenfalls unklar. Dagegen sieht die Türkei ganz offensichtlich den IS als ihren verlängerten Arm für ihre neo-osmanische Expansionspolitik an – die verständlicherweise das syrische und vor allem das nordirakische Öl für die eigene Versorgung und die eigenen Geschäfte vereinnahmen will. 


Außerdem bombardiert und beschießt und besetzt das Erdogan-Regime, unter lautem Schweigen der Atlantischen Menschenrechtler mal wieder einige kurdische Städte im Osten des eigenen Staatsterritoriums, unter dem Vorwand die PKK zu bekämpfen. Tatsächlich aber sollte durch die Verschärfung der militärischen Unterdrückung und ethnischen Diskriminierung der Kurden in ihrer Region, erst der kürzliche Verlust der absoluten Mehrheit im Parlament in der erneuten Wahl rückgängig gemacht werden - was gelungen ist. Jetzt geht es dem Regime darum, die kurdisch gefärbte linksdemokratische Partei HDP zu isolieren und klein zu kriegen.


Die Rolle SaudiArabiens bleibt undurchsichtig. Einerseits behaupten alle Saudi- und USA-Kritischen Medien, vor allem im Internet, dass der Saudi-Staat den IS aus ideologischen Gründen massiv unterstütze. Vermutlich ist jedenfalls zutreffend, dass aus Kreisen islamischer Institutionen und reicher Privatpersonen eine starke Unterstützung des IS, evt auch anderer islamistischer Gruppierungen stattfindet. Andererseits kann sich der IS anscheinend aus Ölverkäufen und Besteuerungen der eroberten Bevölkerungen selber finanzieren. Saudi-Arabien wiederum kann als Staat eigentlich kein Interesse haben, in der Region den USA, ihrem Militär und ihren Konzernen ganz allein und direkt gegenüber zu stehen. Denn das Hauptziel der schmutzigen Interventionskriege und Regimechanges im Nahen Osten. Durch die USA ist die Reprivatisierung des Saudi-Öls zugunsten der westl. Ölkonzerne, ist nach wie vor der Hauptgewinn (11 Billionen $ Reserven bei 50 $/Barrel).


Die Rolle der verstaatlichten Ölreserven und ihrer Förderung im Nahen Osten und der Interessen der westlichen Ölkonzerne und deren Unterstützung durch ihre Staaten, also USA, England und Frankreich kann hier aus Platzgründen nicht ökonomisch begründet dargelegt, sondern muß gesondert behandelt werden. 
Wenn sich die Bundesregierung rational verhalten würde, d.h. entlang eigener staatlicher, also nicht vor allem aufgrund fremder Interessen, die moralisch verbrämt werden, und das bedeutet den Zustrom an Flüchtlingen gerade auch aus Syrien drosseln wollte, oder darauf setzen würde, dass möglichst viele der Geflohenen möglichst bald wieder nach Syrien zurückkehren wollten, dann gäbe es gegenüber der jetzigen Politik einige, wenn auch schwache Möglichkeiten:



  • 1. Beendigung des Embargos von Seiten der BRD, um lebenswichtige Importe nach Syrien überhaupt zu ermöglichen oder billiger zu machen. 
  • 2. Erhöhung des Eigenbeitrags für die Finanzierung der UNO-Flüchtlingcamps in und um Syrien herum und Einsatz dafür, dass andere Länder ihrer Verpflichtung mindestens nachkommen, wenn nicht ebenso erhöhen. 
  • 3. Dafür sorgen, dass in den Camps die Bedingungen für den Aufenthalt tatsächlich verbessert würden. Das betrifft die gesundheitliche und soziale Versorgung, Arbeitsmöglichkeiten für Erwachsene, sowie Schul- und Berufsausbildung für Kinder und junge Menschen. 
  • 4. Wiederaufnahme der diplomatischen Beziehungen zur legalen Regierung in Damaskus, um einen vorübergehenden Aufenthalt von Flüchtlingen in befriedeten Zonen durch Finanzhilfen zu erleichtern; oder die Rückkehr von Flüchtlingen aus Lagern oder privaten Aufnahmen in zerstörte Häuser und Wohnungen durch Wiederaufbau zu finanzieren. 
  • 5. Einrichtung von Anlaufstellen, um Anträge zu stellen und zu bescheiden: auf vorübergehenden Aufenthalt in der BRD für die Dauer von Kriegshandlungen oder der dortigen Nichtverfügbarkeit von Wohnraum und Unterhaltsmitteln und die Erlangung einer normalen Transportmöglichkeit in die BRD mit der ausdrücklichen Perspektive der Rückkehr.
  • 6. Einflußnahme auf die Bündnispartner, evt. zusammen mit anderen Regierungen, um schnellstens einen Waffenstillstand in Syrien und die Errichtung einer zivilen Verwaltung, wo sie nicht mehr vorhanden ist, zu erreichen. 
  • 7. Hilfe und Finanzierung erster Wiederaufbauprojekte für Wohnungen, Infrastruktur, Erwerbsmöglichkeiten, sozialer und Bildungseinrichtungen in den befriedeten Gebieten Syriens.



Das Meiste davon würde den Unwillen der USA und anderer Bündnispartner erregen oder sogar nur gegen deren ernsten Widerstand möglich werden. U.a. deshalb, weil dies nicht nur die Anerkennung der jetzigen Regierung Syriens, sondern sogar eine Zusammenarbeit erforderlich machte. Allerdings bräuchte dies keine Präjudizierung der Stellung der BRD zu einer aus einem Friedensprozess hervorgehenden neuen Regierung zu sein. 


Die Bundesregierung tut nichts von alledem, nicht einmal die Punkte 2 und 3, die ohne Bündnisärger machbar wären. Vielmehr versucht sie durch die Beteiligung an einer 3 Mrd. Zahlung an das Erdogan-Regime zu erreichen, dass dieses schon vorhandene Flüchtlinge aus Syrien und Ausreisewillige sowie neu hinzukommende festhält. Dieses, obschon klar ist, dass gerade Erdogan den Regimechange in Syrien seit langem mit eigenen völkerrechtswiderigen Mitteln massiv unterstützt und damit die Flüchtlinge produziert, die er jetzt festhalten soll. Und abgesehen auch davon, dass die Regierung der Türkei gegen die eigenen Staatsbürger im kurdischen Osten militärisch vorgeht. 


B - Wo Flüchtlinge ankommen und “behandelt” werden 

Die medial kleingehaltenen Brandanschläge gegen noch leerstehende Flüchtlingsunterkünfte, der Höhenflug der AfD und “vorsichtige” verbale Ausflüge von CSU und CDU-Exponenten für die Eindämmung der Flüchtlingsflut einerseits – sowie die Klagen von Gemeinde- und Stadtvertretern aller Couleur von Ministerpräsidenten einiger Länder, von Vertretern von Hilfsverbänden, die Dauerbelegungen von allerlei hallenartigen Unterkünften andererseits, viele Turnhallen darunter, die weder von Sportvereinen noch von Schulen benutzt werden können und die entsprechenden Klagen andererseits, zeigen, dass die Mühen der Ebenen der Integration jetzt erst richtig beginnen. Wobei der Zugang von weiteren Flüchtlingen mit mehreren Tausend Flüchtlingen pro Tag über die griechischen Inseln in die BRD bisher nicht aufgehört hat. 


Ein wichtiges Feld, das neben der Unterbringung und Versorgung besonders schnell in Angriff genommen werden konnte, ist die Einrichtung von Deutschkursen für schulpflichtige Kinder. Glücklicherweise ist dies auch ein Grundstein für eine langfristige Integration der Neuankömmlinge, die wohl meist auch künftige Mitbürger werden. Ebenso wichtig wäre es aber, dass die Kinder von Asylsuchenden und Asylhabenden in ihrer Muttersprache unterrichtet werden, damit sie bei evt. Rückkehr nicht als heimische Analphabeten aus Deutschland aufwachsen müssen.


Die kürzlichen Nachrichten und Stellungnahmen aus dem Bildungsbereich zeigen positive Seiten aber auch die kommenden enormen Schwierigkeiten.


Die Welt am Sonntag skizzierte Zahlen über die Integration der Flüchtlingskinder in die Schulen, u.a. durch gesonderte Deutschkurse: 
“Für Flüchtlinge fehlen mehr als 10.000 Deutschlehrer. Erstmals gibt es umfassende Zahlen zu den "Willkommensklassen". Schon mehr als 8500 Lehrer wurden zusätzlich eingestellt. Und es dürften noch mehr werden – denn der Bedarf ist längst nicht gedeckt. 
Als Reaktion auf die Zuwanderung Hunderttausender schulpflichtiger Kinder haben die Bundesländer bisher mindestens 8264 spezielle Deutschlernklassen eingerichtet.
Rund 196.000 Schüler besuchen diese Klassen, in denen die deutsche Sprache gelehrt wird. 
Die tatsächliche Zahl von Flüchtlingen an den Schulen dürfte noch höher liegen, da sie nach dem Übergang in die Regelklassen nicht mehr gesondert erfasst werden. …
Die KMK bilanziert die Zahl der schulpflichtigen Kinder für das Jahr 2015 mit rund 325.000. Der Vorsitzende des Deutsc+hen Philologenverbandes… "Die zusätzlichen und für 2016 geplanten Lehrerstellen reichen nicht einmal für die bereits in Deutschland befindlichen Flüchtlingskinder", sagt Heinz-Peter Meidinger. Gebraucht würden 20.000 und nicht nur 8500 zusätzliche Lehrkräfte. "Spätestens im Sommer nächsten Jahres, wenn alle der Schulpflicht unterliegen, wird sich diese Lücke schmerzhaft bemerkbar machen."


"Für Schulen und Kultusverwaltungen hat es so eine Herausforderung noch nie gegeben. In dieser Situation müssen wir flexibel auf die sich ständig ändernden Bedingungen reagieren", sagte die noch bis 1. Januar amtierende Präsidentin der Kultusministerkonferenz (KMK), Sachsens Ressortchefin Brunhild Kurth (CDU), der Zeitung. Die Schulen stünden jedoch nicht vor dem Kollaps. Anlass für Pessimismus und Hysterie bestehe nicht. Aber: "Wir sollten akzeptieren, dass die Ausnahmesituation für eine lange Zeit Normalzustand sein wird."
http://www.welt.de/politik/deutschland/article150340364/Fuer-Fluechtlinge-fehlen-mehr-als-10-000-Deutschlehrer.html


Spiegel online möchte dagegen mehr das Positive in der Vordergrund rücken und titelt am 7.12.15:
Flüchtlingskinder: Schulen gründen mehr als 8200 Deutschklassen
Die Integration von Flüchtlingskindern ist in vollem Gange: 
Mehr als 8200 spezielle Sprachklassen haben die Bundesländer bereits eingerichtet und 8500 Lehrer eingestellt - immer noch viel zu wenig.
http://www.spiegel.de/schulspiegel/fluechtlinge-mehr-als-8200-spezielle-deutsch-klassen-geschaffen-a-1069589.html


Der Deutschlandfunk berichtet aktuell - Flüchtlinge: 
DGB fordert staatliches Ausbildungsprogramm
Immer mehr Unternehmen in Bayern bieten Flüchtlingen Praktika oder einen Ausbildungsplatz an. 
Praktikum für Flüchtlinge bei einem Unternehmen. 
Der Deutsche Gewerkschaftsbund fordert ein staatliches Programm, um jungen Flüchtlingen den Weg in eine Berufsausbildung zu erleichtern.
Man brauche ein Bund-Länder-Programm für außerbetriebliche Ausbildung in Regionen, in denen der Ausbildungsmarkt besonders angespannt sei, sagte die stellvertretende DGB-Vorsitzende Hannack dem "Handelsblatt". Zudem müsse bereits 2016 auch die assistierte Ausbildung besser an die Bedürfnisse der Geflüchteten angepasst werden. Bei der assistierten Ausbildung hilft ein Bildungsträger dem Lehrling und dem Betrieb - etwa durch Beratung und Nachhilfe. 
Unter den bislang rund 425.000 Asylbewerbern sind nach Angaben der Zeitung gut 120.000 Menschen zwischen 16 und 25 Jahren.
http://www.deutschlandfunk.de/fluechtlinge-dgb-fordert-staatliches-ausbildungsprogramm.447.de.html?drn:news_id=562957


Die Wohnungsverhältnisse der Flüchtlinge sind, einerseits aufgrund der großen Zahl kurzfristig Angekommener, aber auch aufgrund der Klärung und Regelung der Aufenthaltsberechtigung ein besonders schwieriges aber dringliches Problem. 


Ein im Internet veröffentlichtes Merkblatt des Bundesamtes für Migration und Flüchtlingen (BAMF) zum Asylverfahren läßt deutlich werden, dass es erst am Abschluß des Asylantrags-Verfahrens einen rechtlichen Aufenthaltsstatus gibt – nämlich die Aufenthalts-Gestattung – die für die Zeit der Durchführung des eigentlichen Asylverfahrens gilt. Zwischen der Absichtsbekundung eines “Flüchtlings” bei einer Behörde, z.B. beim Grenzüb+++ertritt, einen Asylantrag stellen zu wollen und dem Antragsverfahren selbst, wird der potentielle Antragsteller behördlich der nächstgelegenen Erstaufnahmeeinrichtung zugeordnet, die für die Durchführung des Antragsverfahrens zuständig ist. Diese Behörde ermittelt außerdem, die für die Unterbringung zuständige Aufnahmeeinrichtung. Der Erstaufnahmeeinrichtung ist eine Außenstelle des BAMF zugeordnet, die für die Stellung und Durchführung des Asyl-Antragsverfahrens zuständig ist, bei der also der Asylantrag persönlich zu stellen ist. Die für die Unterbringung zuständige Aufnahmeeinrichtung soll den Bewerber Unterkunft und Unterhalt, also u.a. tägliche Lebensmittel in Gemeinschaftsverpflegung gewähren. 

http://www.bamf.de/DE/DasBAMF/Aufgaben/Asylverfahren/asylverfahren-node.html;jsessionid=0D8C142A78194FB5109CAFD65AD607CD.1_cid294


Für die Frage der Art der Unterkunft und Verpflegung sowie die Verpflichtung von Behörden, dieses zu gewährleisten gilt Folgendes: 
(Auszug aus: Unterbringung von Flüchtlingen in Deutschland - von Kay Wendel):
“3. Typen der Aufnahme und Unterbringung
Flüchtlinge sind Objekte der Verwaltung. Bei der Wahl des Wohnsitzes und der Unterbringungsform haben sie kein Mitspracherecht. Ihre Aufnahme, Verteilung, Zuweisung und Unterbringung richtet sich allein nach verwaltungsorganisatorischen Erfordernissen, die sich am föderalen Verwaltungsaufbau der Bundesrepublik orientieren. Beteiligt sind der Bund, die Innen- und Sozialministerien der Bundesländer, die kommunalen Gebietskörperschaften wie Landkreise und kreisfreien Städte sowie die Kommunen, in Bayern zudem noch die Regierungsbezirke als mittlere Verwaltungsbehörden.”
15.9.15
http://news.dkp.suhail.uberspace.de/2015/09/zur-akuten-fluechtlings-frage-in-der-brd/


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Flüchtlinge - ungebetene Gäste aus dem Orient

Jörg Miehe  – 3.12.15

Der plötzliche Anstieg des Flüchtlingszustroms über die Türkei seit Mitte des Jahres 2015 hat die Ankunftsstaaten von Griechenland bis hin zu Schweden und Dänemark, aber vor allem Deutschland vor eine Serie von schwierigen Problemen gestellt. 

Zunächst die Versorgung der 10-Tausenden auf ihrem Weg von den griechischen Inseln in den Norden und die Koordinierung des Transportes, dann die Aufnahme und Verteilung in Lager und weitere Aufenthaltsmöglichkeiten, die Registrierung und die Einleitung der Prüfung und Gewährung mindestens eines vorübergehenden Aufenthaltsstatus. Das war einerseits eine großes Problem der Arbeit der Grenzschutzorgane und Verwaltungen der EU-Staaten, sowie ihrer Koordination. Und dann das Problem der Verwaltungen in der BRD zwischen den Ebenen der letztlich praktisch zuständigen Gemeinden, den Ländern und dem Bund und den verschiedenen Polizeiorganen. Sie alle hatten verständlicherweise keinen Plan. Zudem waren und sind die Administationsstruktur der EU, aber gerade auch der Föderalismus der BRD für eine solche Aufgabe nicht geeignet und daher überfordert. 

Seither kämpfen vor allem die CSU und Teile der CDU um die Wiedereinsetzung und die Verschärfung der geltenden Regeln und die Durchsetzung der Regeln in der EU. Die ersten beiden Punkte gelingen ihnen unter viel politischem Getöse. Die Terroranschläge und die anschließende Medienhysterie, ebenso wie die zunehmende Sympathie für die AFD und andere Rechte helfen dabei kräftig. Durch den Terror sehen sich nun viele EU-Staaten dazu legitimiert, sich den EU-Regeln zu verweigern und die Bundeskanzlerin im Regen stehen zu lassen. Die SPD, als Mitglied der Großen Koalition, versucht herum zu Eiern und zugleich Regierung und Opposition von rechts und links zu spielen. 

Die linken Kräfte hingegen unterstützen die praktische und die ausgerufene „Willkommenskultur“, wenden sich ohnmächtig gegen die Verschärfung der Regelungen und konzeptionell völlig planlos gegen die abwehrende nach rechts gleitende Reaktion großer Bevölkerungsteile. 

Die gesellschaftliche „Verarbeitung“ der Zuwanderung – und die politisch erforderliche Reaktion


All diese aufgeregten und von links sehr emotional geführten Diskussionen betreffen aber zunächst nur die Anfangsprobleme des Umgangs mit dem Strom der neuen Zuwanderer. Schon jetzt zeigt sich, dass eine breite Palette von Aktivitäten in und durch die Gemeinden und von zugesagten Finanzmitteln des Bundes eine “geordnete” Chaos-Bewältigung zumindest in Gang setzen. 
Dabei spielen spontane zivile Hilfskräfte, eben die praktische Willkommenskultur relativ breiter Bevölkerungskreise und ihre freundliche Unterstützung eine erhebliche Rolle. Allerdings zeigt sich auch das Gegenteil – extrem in den Angriffen auf meist erst geplante Flüchtlingsunterkünfte. 
Die wirklichen gesellschaftlichen Probleme werden sich erst später ergeben – die „Integration“ der Flüchtlinge als Zugewanderte mit welchem Aufenthaltsstastus auch immer. Dabei sind zwei, drei Problemkreise zentral: 
  • Arbeitserlaubnis und Arbeits“platz“ (genauer Arbeitsvertrag und Arbeitseinkommen), 
  • eine zivile Wohnung ohne Ghettoeffekt und 
  • die Eingliederung der Kinder in Kitas, Kindergärten, Schulen und 
  • der Jugendlichen in Berufsausbildungen. 
Jede Begrüßung einer „Willkommenskultur“, die sich nicht vorrangig und dringlich um diese Fragen kümmert ist problematisch. 


Gleichgültig, wie energisch und weitblickend z.B. die Frage der Arbeitsplätze angegangen wird, es bleibt unausweichlich, dass es, mit oder ohne Arbeitserlaubnis, im Segment von illegaler bis legal prekärer Arbeit einen massiven Zustrom geben wird. Die verschärfte Konkurrenz in diesem Sektor bedeutet, dass junge, sehr zielstrebige und energische zugewanderte Personen, meist mit relativ hohen Bildungsabschlüssen und guten Englischkenntnissen mit den schwächsten Einheimischen konkurrieren werden. 

Was anderes als heftige Ressentiments soll das bei Einheimischen erzeugen, wenn sie erleben müssen, welche Hilfsbereitschaft und tatsächliche Unterstützung die Zugewanderten erhalten, während sie seit Jahren unter Druck stehen, ihre soziale Existenz zu sichern, sich gegen die Zumutungen der Arbeitgeber und der Arbeitsagenturen kaum wehren können und der unterschwelligen oder offenen Verachtung anderer sozialer Schichten ausgesetzt sind. Schon gar, wenn sie über die niedrige Schwelle in das Hartz IV-System abrutschen und ein privates Armutsregime organisieren müssen unter „fürsorglicher“ Aufsicht von „Arbeitsmarktagenten“.

Die Stärkung der politischen Abstinenz oder die Unterstützung der Forderung „nationaler“, die Einheimischen bevorzugender politischer Haltungen und Maßnahmen ist programmiert. Wer dagegen dann mit moralisch anti-rechter öffentlicher Empörung und Rhetorik auftritt, verfehlt die Sache und erreicht ganz sicher das Gegenteil. 

Die einfache Frage
, was hindert Menschen am sozial und ökonomisch unteren Rand der Gesellschaft an eigener Hilfsbereitschaft – neben vielleicht zufällig auch vorher schon vorhandenen rechteren Einstellungen? Die eigene Lage, die natürlich auch als Diskriminierung gegenüber und durch die eigenen Landleute erlebt wird! Und diese helfen nun demonstrativ und von der Öffentlichkeit gelobt, nur den Neuankömmlingen! 
Dieser fast unvermeidlichen Tendenz der sozialen Entgegensetzung von Einheimischen und Zuwanderern kann nur entgegengewirkt werden, wenn nicht die Hilfe für die Neuankömmlinge, die „Willkommenskultur“ und auch nicht eine vermeintliche Gemeinsamkeit der Interessen betont wird, wie im gut gemeinten Slogan „Gemeinsam kämpfen“ , sondern wenn das Ende der materiellen Diskriminierung der schlecht bezahlten und prekären Schichten der schon vorhandenen Arbeitsbevölkerung und der Hartz IV Empfänger in das Zentrum gerückt wird: 

Also: 
  • Erhöhung des Mindestlohns
  • Verbot von Leiharbeit und Werkverträgen, 
  • massive Erhöhung der Hartz IV Sätze und Beseitigung der Sanktionen und des Zwangs zur Annahme jeder Arbeit usw.. 
  • Auflegung eines massiven Arbeitsbeschaffungsprogramms, 
  • z.B. mit einem schon vorher dringend erforderlich gewesenen Wohnungsbau, der nun in viel größerem Maßstab nötig wird. 
  • Erhebliche Erhöhungen von Bundesmitteln für Kinderbetreuung, Schulen und Berufsausbildung. 
  • Für all diese Zwecke Erhöhung der Kapitalsteuern. 
Dies alles, damit auch die bisher schlechter gestellten in die Lage versetzt werden, nicht mit den Neuankömmlingen konkurrieren zu müssen, sondern ihnen neutral oder helfend begegnen zu können. Ehe daraus ein „Gemeinsam kämpfen” werden kann, dafür bedürfte es erster Erfolge in dieser Richtung. Die positive Wirkung des dürftigen und löchrigen, eben sozialdemokratischen, Mindestlohns, sollte ein Ansporn sein, um dort massiv nachzusetzen!

Gemeinsam kämpfen“ können die Zuwanderer erst, wenn sie einen gesicherten Aufenthaltsstatus haben, politisch Einfluß nehmen können, im Arbeitsverhältnis gewerkschaftlich kämpfen und als Teil der in sozial ähnlicher Lage Befindlichen auftreten können. 
Vorher dagegen müssen sie sich individuell um ihre eigenen Interessen kümmern, und das heißt auf Hilfe und Entgegenkommen hoffen, auf Durchsetzung von Rechten als Zugewanderte dringen und die Konkurrenz gegen Mitankömmlinge und Einheimnische am Markt für Arbeitskräfte gewinnen. 

Wer die Probleme nicht von dieser Seite her angeht, isoliert sich politisch selbst und schafft keine Verbesserung der Lage, weder für die Ankömmlinge, noch für die schon vorher bedrängten Einheimischen.

Durch die Plötzlichkeit und Größe des Zustroms waren die bisher schon nur mangelhaft funktionierenden Regeln der Behandlung von Flüchtlingen in der EU (siehe z.B. die Flüchtlinge von Libyen nach Lampedusa in Italien und ihr weiterer Weg) und auch in der BRD nicht mehr handhabbar und wurden laufend durchbrochen – vor allem durch die öffentliche, demonstrative Zusage der ungehinderten Einreise über die Grenze in die BRD durch die Bundeskanzlerin. 
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Zur akuten “Flüchtlings”-Frage” in der BRD

J.Miehe  - 15. Sept 2015

Bilder vom „Auszug aus Ägypten“ und denkbare Alternativen

Die Fernseh- und Zeitungsbilder zeigen Menschen, die man umgangsprachlich als Flüchtlinge bezeichnet. Sie werden vor allem dort fotografiert, wo sie sich an Flaschenhälsen ihres Treks oder mit oder ohne Transportmittel stauen, oder wo Gerettete von abenteuerlichen und todesträchtigen Meeresüberfahrten ankommen, die viele Monate und Jahre schon in Süditalien. Die meisten wollen anscheinend direkt in die BRD oder nach Schweden, viel weniger nach Frankreich oder England oder in die anderen EU-Staaten.
Vorrangig junge Männer, die ihren vorherigen Aufenthaltsort, evt auch direkt ihr Zuhause hinter sich gelassen haben. Wenn sie ursprünglich aus dem Irak oder aus Syrien kommen sind sie oft schon vorher in die Nachbarländer geflüchtet und haben dort eventuell viele Wochen, Monate oder Jahre in Lagern gelebt. Dort scheint die Versorgung zunehmend prekär zu werden. Die UNO hat viel zu wenig Geld von reichen Staaten erhalten, sowohl von den Öl-, wie von den westl. Industriestaaten.
1. Die sehr einfache und auch kurzfristig wirkende Maßnahme, mit der die Odyssee über das Meer und die Trecks über Land, sowie die enormen Kosten der Aufnahme und Integration der Migranten in die europäischen Staaten vermieden werden könnten, nämlich die dafür anstehenden vielen Milliarden stattdessen in den Ausbau und die Versorgung der Lager vor Ort zu leiten, wurde und wird offenbar von keinem der europäischen Aufnahmestaaten oder der EU in Erwägung gezogen oder gar praktiziert.

2. Weniger einfache Programme und Maßnahmen, wie die ökonomische und gesellschaftliche Integration der Geflohenen in den Nachbarstaaten von Irak oder Syrien durch die EU-Staaten zu finanzieren und bei der Organisation zu helfen, werden anscheinend auch nicht ernsthaft und massenhaft betrieben – obwohl auch diese billiger und gesellschaftlich unproblematischer wären, als die massenhafte Verpflanzung von Nah-Ost-Flüchtlingen in die Gesellschaften der EU zu verkraften – wo zudem in den Ost- und Südeuropäischen Ländern selbst Wirtschafts- und Sozialkrisen herrschen und von ökonomischer und gesellschaftlicher Integration der Übersiedler keine Rede sein kann.


3. Die mittel- bis langfristige Beseitigung der Ursachen liegt ganz offenbar völlig außerhalb des Denk- und Planungshorizontes der EU-Regierungen und der EU selber: Der Stopp der inszenierten Proxi- und „Bürger“kriege im Irak und in Syrien, akut im Yemen und in der Türkei, sowie der Wiederaufbau funktionierender Staaten, in Afghanistan, Irak, Libyen und anderen failed states.

Dafür müßten sich die EU-Regierungen von der Politik der Interventionen und der Chaosproduktion der USA im Nahen Osten radikal trennen, ihre, ähnlichen Ölinteressen folgenden eigenen Beteiligungen, wie die von England und Frankreich, aufgeben, und ihre Beteiligung an den Embargos gegen Syrien und den Iran aus Vasallengehorsam, wie von der BRD, unterlassen. Ebenso natürlich die Waffenexporte an die reaktionären und imperialistischen Kräfte einstellen. Wenn allerdings die USA selbst daraus keine Änderung ihrer Politik ableiten würden, bliebe nur noch eine offene Kooperation mit Rußland um die USA dazu diplomatisch zu zwingen. Dass beides aufgrund der innenpolitischen Kräfteverhältnisse in Europa und der weltpolitischen bisher illusorisch ist, konnte und kann man neben dem Nahen Osten in der Ukraine studieren.
Nun sind die linken politischen Kräfte in den EU-Ländern nicht in der Lage die o.g. drei möglichen eigenständigen Maßnahmen und Programme in ihren Staaten durchzusetzen, in den meisten sind sie nicht einmal in der Lage, sie auf die politische Tagesordnung zu setzen. Das gilt weitgehend auch für die Kommunistischen Parteien.

Insoweit braucht es aus dieser Richtung nicht unbedingt praktische Ratschläge für das Verhalten der Regierungen in der Flüchtlingsfrage – aber die Defizite an vernünftigen, humanen und praktikablen Lösungen sollten doch nachdrücklich formuliert werden.

1. Erwartungen der Ankommenden und unterschiedliche Reaktionen der Einheimischen

In Deutschland, aber wohl mehr noch in Schweden, suchen die Ankommenden im besten Fall schon dort weilende Familienmitglieder oder Landsleute oder einfach die dort angebotenen Aufenthalte für vorübergehende Aufnahme oder eine förmliche Aufenthaltsprozedur. Schlimmstenfalls droht Ihnen als Nicht-Legale die Obdachlosigkeit und eine offene oder organisierte Untergrundexistenz.

Bei den Bootsflüchtlingen, die nach Süditalien kommen konnten oder dorthin gerettet wurden, handelte es sich um 10 Tausende. Bei den mittlerweile aus den verschiedenen anderen Routen, meist über die Türkei, teilweise auch bei uns in der BRD Ankommende oder sie Durchquerende in Summe um mehrere 100 Tausende.

Sie sind also wohnungslos, einkommenslos, ohne Habe für den Lebensalltag, manchmal mit manchmal ohne Paß und als Flüchtlinge in einem fremden Staat, dort noch ohne legalen Aufenthaltsstatus, aus einem anderen Staat oder einem Fluchtland, die ihnen als Staatsangehörige oder Asylgewährende keinen Schutz und keine Hilfe mehr bieten können oder wollen (oder nicht danach gefragt werden). Wenn auch nicht formell – so aber doch real staatenlos.

Das löst bei den Betrachtern, je nach eigenem mentalen und sozialen Zustand und Welt-Ansicht unterschiedliche Reaktionen aus. Bei den Funktionsträgern, die mit den Flüchtlingen qua Amtsauftrag zu tun haben, ist die amtliche und gewollte Reaktion dann von der persönlichen zu unterscheiden – und macht sich nur beim Umgang, dem Eifer und der Initiative bei den notwendigen Improvisationen geltend.

Einerseits gibt es Mitgefühl, Mitleid, und massenhafte Hilfsbereitschaft. Das kann man abstrakt als Barmherzigkeit oder als Humanismus auffassen, und wird fälschlich als Solidarität bezeichnet.

2. Andererseits gibt es von verschiedenen Personengruppen andere, aber sehr unterschiedliche Reaktionen

Bei den zuständigen Amtsträgern, inzwischen angetrieben von den höchsten Repräsentanten und der sog. Öffentlichen Meinung, größeren Eifer bei der Organisierung der provisorischen praktischen Unterbringungen, und der Transporte an den Tag zu legen, werden die vorgesehenen Prozeduren der formellen Aufnahme, Registrierung, Fingerabdruck, Erklärung der Herkunft und Einreise und der kurzen Erklärung der Fluchtgründe, und vorläufigen Papieren, aufgrund der Zuständigkeit beim Bundesamt für Migration und Flüchtlinge (BAMF) und deren mangelhafter Ausstattung nur sehr zögerlich beschleunigt – obgleich die Vertreter aller politischen Ebenen von der Staatsspitze bis zum Bürgermeister alle dringlich danach rufen. 

Dies mit zweierlei Motiven: Die praktisch Helfen Wollenden und Müssenden möchten die Flüchtlinge möglichst schnell auf Kommunen und dort in Wohnungen verteilen – um dort die Anfangsintegration in Gang zu setzen, und auch den demonstrativen Angriffen von Rechts die symbolischen Orte von Lagern und Heimen zu entziehen. Die Engpassbeseitiger wollen damit vor allem den Aufenthaltsstau auf Bahnhöfen, vor Erstaufnahmelagern und vor Erstregistrierungsstellen auflösen. Die offen Ablehnenden oder Doppelzüngigen wollen die Spreu vom Weizen trennen: Möglichst wenige von denen anerkennen, die nach Gesetz und politischer Korrektheit Aussicht auf Asyl aufgrund der Anerkennung als (politischer) Flüchtling haben, wie jetzt pauschal alle tatsächlichen und vermeintlichen Syrienflüchtlinge, und sie von den anderen trennen, die wegen rechtlich mangelhafter Gründe formell ohne Aussicht auf Asyl sind, um sie möglichst schnell nach der Prüfungsprozedur abschieben zu können.
Bei ganz Rechten ist es eine willkommene Gelegenheit die Flüchtlinge direkt anzugreifen, ihre künftigen Sammelwohnungen abzufackeln, manchmal sogar bewohnte Einzelwohnungen, oder sie in Demontrationen als unerwünschte Ärgernisse, mit welcher „Beschimpfung“ auch immer, Islamisten, illegale Zuwanderer, als Schmarotzer, oder auch nur als Ausländer oder als Fremde überhaupt, zu stigmatisieren.

Dem mögen sich inhaltlich etliche, friedlich und stumm bleibende Einwohner innerlich anschließen, und sich gegen die Willkommens-Propaganda und -Praxis innerlich abschotten.

Die Frage bleibt, ob und wie viele andere, denen Ängste allerlei Art zugeschrieben werden oder die vielleicht aus einem Kalkül sozialer und öffentlicher Zuwendungsberechtigung, oder aus einem Kalkül eigener sozialer Lohn- oder staatlicher Transfer-Interessen oder der Nutzung öffentlicher Einrichtungen, wie Schulen etc., sich, meist nur privat, gegen die positive Behandlung der Flüchtlinge wenden. Angst-, Sorge- oder Interessen-Gesteuerte kommen öffentlich überhaupt nicht zu Wort – nur in manchen Äußerungen von Politkern der herrschenden Parteien der 2. u 3. Reihe, die die akuten Schwierigkeiten benennen und fordern, diese Ausnahmesituation zu beenden. Die Organisationen, Verbände und politischen Gruppen, die sich sonst um die Unterprivilegierten und Randgruppen kümmern, sind zumeist aktuell mit den Flüchtlingen und ihrem Schicksal beschäftigt und lassen, zumindest verbal, ihre sonstige Klientel völlig außer acht.

Für Barmherzige und Humanisten gibt es verständlicherweise bei der Flüchtlingsfrage keine prinzipielle Grenze für die zu gewährende Hilfe, weder bei dem Ausmaß noch bei der eigentlichen Verpflichtung von Personen zur Hilfestellung – nur pragmatische: hinsichtlich der Zeit, der Energie und der materiellen Mittel, die sie bereit sind einzusetzen oder von anderen erwarten, und hinsichtlich der Höhe der Hilfe, die sicher auch ihrer Ansicht nach nicht über das Maß einer normalen materiellen Ausstattung eines durchschnittlichen Einwohners hinausgehen müßte.

Erwägungen, aus welchen Quellen, außer der privaten Hilfe, denn die Aufnahme und Integration der Flüchtlinge finanziert werden können, werden wohl nur als praktische politische Fragen und nicht als solche von moralischer oder gesetzlicher Berechtigung angesehen. Ob dafür auch Steuererhöhungen, und dann von welchen Einkommens- und Vermögensschichten vorgenommen werden sollen, bleibt zunächst außer Betracht.

Ebenso werden Erwägungen, die oft nur als Befürchtungen, und manchmal auch als Vorwand für die Abwehr von Hilfsbedürftigen oder die Minimierung der praktischen Hilfe geäußert werden, welche Auswirkungen sonstiger praktischer Art denn die Zuwanderung so vieler und in Wellen kommender Flüchtlinge für die schon vorhandenen Einwohner hat, wohl eher als moralisch illegitim angesehen und zumal in der Linken auch als rassistisch oder fremdenfeindlich oder nur als nationalistisch, aber immer als egoistisch denunziert.
Erwähnt wird aus diesen Kreisen selten, dass wir faktisch immer noch über 5 Millionen Arbeitslose und Unterbeschäftigte haben, dass wir über 10 % und mehr Arme haben und gerade in diesen Kreisen eine erhebliche Wohnungsnot herrscht.

Was aber hat es nun mit der, oft gerade auf linker Seite, eingeforderten Solidarität auf sich? Nun, das ist bestenfalls ein historisches und begriffliches Mißverständnis, das mit viel moralischem Verpflichtungspathos verwendet wird. Richtig ist dagegen historisch und begrifflich, dass Solidarität Hilfe auf Gegenseitigkeit ist, und nicht nur die gleiche Grundsituation unterstellt, sondern auch eine Gemeinsamkeit oder Gemeinschaft, in der diese Gegenseitigkeit praktiziert werden kann und üblicherweise wird. Davon kann in der Situation von Flüchtlingen und möglichen zur Hilfe aufgeforderten Einwohnern der Ankunftsländer nicht Rede sein. Die in den Gewerkschaften als Organisationen sich fortsetzenden auch formellen Solidaritäts-Verpflichtungen und -Leistungen aus den Gesellenvereinigungen des ausgehenden Mittelalters werden hier gerade von linken Schreibern und Organisatoren völlig unberechtigt angerufen.

3. Was zu tun wäre und getan werden muß

Es stellt sich die Frage, wie eine KOMMUNISTISCHE PARTEI auf die entstehende aktuelle Krise bei der Aufnahme und Behandlung der Flüchtlinge reagieren sollte. Sie kann natürlich die jetzigen Regierungsmaßnahmen begrüßen, die eine Zuspitzung vermeiden sollen. Sie wird auch die spontane Hilfsbereitschaft begrüßen, die dabei helfen eine Atmosphäre der öffentlichen Feindlichkeit gegenüber den Flüchtlingen zu vermeiden. Ersteres sollte geschehen, weil Kommunisten nicht als mitleidlos erscheinen wollen und sollten, auch wenn ihre eigentliche Politik aufgrund der Analyse von Klasseninteressen erfolgen sollte. Das Zweite sollte geschehen, damit der zu erwartende Auftrieb und eine zunehmende Unterstützung von rechten bis faschistischen Kräften möglichst wenig Resonanz findet.

Aber kann das heißen, dass Leute, die sich aus eigenem Interesse oder als Analysten kritisch gegenüber der jetzigen Flüchtlingspolitik äußern als fremdenfeindlich oder gar als rassistisch denunziert werden dürfen?

Gehen wir die einzelnen Fragen durch, die sich mit der akuten Krise und der künftigen Entwicklung um die Flüchtlinge stellen.

Für die bisher anfallenden Kosten für die Krisenbearbeitung werden aus offiziellen Kreisen für das Jahr 2015 rund 10 Mrd. Euro angesetzt. Die beteiligten Politiker aus den Ländern und den Kommunen und aus Hilfsorganisationen erklären öffentlich nachdrücklich, dass diese Summe für die bisherigen Ausgaben keinesfalls ausreichen würden. Falls noch erheblich mehr Flüchtlinge in diesem Jahr kommen werden, wird die Summe natürlich noch größer. Die Bundesregierung hat bisher rund an die 6 Mrd. Soforthilfe angeboten, ohne das genauer zu präzisieren.

Diese Summe ist bisher nicht bei den Ländern und Kommunen angekommen. Sie ist auch noch nicht in einem Haushaltsposten enthalten, und einen Nachtragshaushalt für die Krise gibt es noch nicht. Finanzminister Schäuble verweist auf Reserven, die im Rahmen des geltenden Haushaltes u.a. durch den Anstieg der Steuereinnahmen gegenüber die Haushaltsansätzen gegeben seien – die schwarze Null würde also nicht gefährdet. Entscheidend für die spätere Entwicklung wird sein, welche Steuererhöhungen in Aussicht genommen werden, um die weiter anfallenden Kosten und ihre vermutliche Erhöhung zu bezahlen: Vermögens- und Erbschaftssteuer, oder Millionärssteuer, wie die Linke fordert – oder wieder, wie bisher, durch Kürzungen anderer Posten, meist Sozialausgaben, und nicht beim Etat der Bundeswehr, oder evt. die Mehrwertsteuer, oder einen Sondersoli!

 4. Wer wird bei gegebenen Kräfteverhältnissen bezahlen?

Alle Humanisten, Barmherzigen und Willkommens-Freunde, die außer ihrer persönlichen Hilfe staatliche Aktivitäten oder Ausnahmeregelungen bei der Aufnahme (keine oder verringert Abschiebungen) fordern, tun dies erst einmal auf Kosten der ungenügend ausgestatteten Haushalte der Länder und Kommunen, und fordern damit wegen der Ausgabenbremse stillschweigend Kürzungen von sonstigen Ausgaben. Das ist besonders problematisch, weil es Kommunen und Länder trifft, die mehrheitlich sehr arm sind und nur sehr wenige, die reich sind. Wenn der Bund tatsächlich einen erheblichen Anteil der Kosten übernehmen wird, direkt oder durch Erstattungen, dann muß im Bundeshaushalt gekürzt werden oder es müssen die Einnahmen durch Steuererhöhungen vergrößert werden. Die Forderung nach öffentlicher Hilfe erfolgt also, ohne dass die Fordernden dafür bürgen oder aufkommen zu müssen. Ihre vermeintliche „Solidarität“ soll also von allen Bürgern bezahlt oder getragen (durch Kürzungen) werden, die dafür verpflichtet, aber nicht gefragt werden.

Die Folgekosten eines längeren Aufenthaltes von Aufgenommenen werden sich auf Wohnungskosten, Unterhaltskosten, speziellen Integrationskosten, wie Arztkosten vor allem Sprachkurse und anderes mehr belaufen. Erhöhte Ausgaben für Kitas, Schulen, andere Ausbildungen werden hinzu kommen, da zunächst eine Arbeitsaufnahme nicht erlaubt ist, aber selbst bei Erlaubnis für die Meisten, auch nicht die vielen jungen Männer, keine Ausbildungsstelle und kein Arbeitsvertrag bekommen werden. Wenn die Übergangsfinanzierung beendet sein wird, dann werden die Aufgenommenen in die üblichen Sozialsysteme integriert werden, also z.B. Hartz IV und Wohngeld.

Ob nun mit oder ohne Arbeitserlaubnis, die vielen jungen männlichen Aufgenommenen werden auf die eine oder andere Weise auf den Arbeitsmarkt drängen und die Schar der bisher schon Arbeitslosen und der informellen Arbeitsverhältnisse und damit die Konkurrenz auf den Arbeitsmärkten vergrößern und mit Sicherheit die faktischen Löhne senken – Mindestlohn hin oder her.

Die Fragen der Finanzierung aus Steuermitteln und die Arbeitsmarktsituation wären, neben der akuten Krisenbewältigung, das Hauptthema für eine kommunistische Partei, die die Interessen der Lohnabhängigen vertreten will. Dafür muß sie bei den Steuern Forderungen stellen, wie z.B. die Linke. Für die Arbeitsmarktsituation muß sie Lösungen vorschlagen und propagieren: Vor allem also eine Wachstumspolitik, die im Inland zusätzliche Nachfrage nach Arbeitskräften und zusätzliche Arbeitsverträge erzeugt! Dagegen muß sie dem offenen oder heimlichen Frohlocken der Arbeitgeber entgegentreten, die sich schon jetzt auf billige Arbeitskräfte freuen.

 5. Gesellschaftliche Interessenlagen und die Frage Fremdheit der Einheimischen in „ihrer“ Gesellschaft

Die Lohnarbeiter haben ein dringendes objektives Interesse an einer möglichst schnellen und umfassenden „Integration“ der Aufgenommenen in die Gesellschaft der BRD – auch wenn ihre spontane Sorge eher auf Abwehr orientiert ist und ihre spontane Haltung eher auf Abgrenzung oder gar Diskriminierung gestimmt sein könnte. Jede praktische Gettobildung führt zu einer weiteren Differenzierung der Lohnarbeiter, oder gar zu sozialen Abgrenzungen, die natürlich von den Arbeitgebern und auch von ihren Gesetzgebern gegen die Interessen der Mehrheit ausgenutzt werden. Dafür sind ordentliche und verteilte Wohnverhältnisse, ein auskömmlicher Arbeitsplatz, sowie der Kita- und Schulbesuch die dringendsten und notwendigen Schritte. Die Integration in die existierenden Strukturen der Vereine und Verbände sind dagegen für die emotionale Integration besonders wichtig. Dass die Kommunisten als säkulare Humanisten die besondere Rolle der Kirchen und ihrer staatliche finanzierten Sozialeinrichtungen nicht propagieren sondern kritisieren sollten, liegt auf der Hand. Daher sind auch die Forderungen nach einer besonderen Rolle von Islamverbänden oder Moscheen zu kritisieren!
Es ist für die Gemengelage von sozialen Sorgen und spontanen Abwehrhaltungen in der Breite der Lohnarbeiter höchst kontraproduktiv dies als Fremdenfeindlichkeit oder gar als Rassismus zu verunglimpfen.

Was impliziert das Wort von der Fremdenfeindlichkeit? Ein völlig illusionäres Menschenbild, das weder mit einer materialistischen Betrachtung der evolutionären Herkunft der Menschen, noch mit ihrer realen sozialen Existenz in einer von verdeckten und offenen Klassenstrukturen und sozialen Schichtungen innerhalb der arbeitenden Klassen geprägten Gesellschaft irgend etwas zu tun hat.

Die „natürliche“ Ausstattung der Menschen läßt sie auf enge persönliche, zunächst „verwandtschaftliche“ Beziehungen und Zugehörigkeiten zu überschaubaren Kleingruppen angewiesen sein. Wenn die realen Lebensverhältnisse dies, zumindest in der Kindheit und frühen Jugend, nicht gewährleisten, oder diese persönlich kalt oder feindlich sind, dann können die Menschen nur ausnahmsweise selbst in solchen engeren Verhältnissen „normal“ leben leben oder überleben.

Für die gesellschaftlich vermittelte Existenzweise der Menschen ist also Vertrautheit und soziale Sicherheit im engsten Kreis das Normale. Fremdheit ist das Nicht-Normale und muß besonders eingerahmt werden und erscheinen – damit sie nicht als bedrohlich erscheint – z.B. im Status des Gastes.

In gesellschaftlichen Verhältnissen, die über solche persönlichen Verhältnisse hinausgehen, wie sie schon in jeder größeren, arbeitsteiligen Siedlung von, sagen wir 1000 Menschen existieren, geschweige denn in einer massenhaften Klassengesellschaften, mit staatlichen Strukturen, können die nicht von Vermögen lebenden Menschen nur „normal“ funktionieren oder gar nur überleben, wenn die beiden Pole, eine engere „Familie“ mit einem abgesicherten Wohnort und Haushalt, sowie einer sicheren Einkommensquelle, vorhanden oder zugänglich sind. Letzteres also heutzutage nur bei Zugang zu einer selbständigen Gewerbeexistenz oder einem Arbeitsvertrag am Arbeitsmarkt. Eine solche sichere Existenzbasis gibt es im Kapitalismus nur bei Existenz eines Staates, der zumindest als partieller Sozialstaat organisiert ist, somit die Konkurrenz, die Willkür und das Chaos der freien Ökonomie eingrenzt.

Fremdheit, oder persönliche Vertrautheit unter der Drohung jederzeitigen ökonomisch bestimmten Auflösung ist unter heutigen Verhältnissen praktisch der Alltagszustand für den größten Teil der Zeit des Lebens von Erwachsenen und der Verhältnisse – zur Arbeit, zum Arbeitsplatz, zu Kollegen und zur Betriebshierarchie, zum Einkommen, alles unter Konkurrenz, zu den Marktbeziehung des Arbeitgebers, auch diese unter Konkurrenz. Auch die Wohnung und der Haushalt sind von diesen nicht-persönlichen Verhältnissen abhängig, entweder als Mieter oder als Hausbesitzer mit einer Hypothekenfinanzierung von der Bank, die aus festem Einkommen bezahlt werden will. Und dann noch die Garantien von Verträgen und sozialen Sicherungen durch staatliche anonyme Agenturen, die die grenzenlose Konkurrenz und den sozialen Absturz oder eine folgende Ausgrenzung unwahrscheinlicher machen (Arbeitslosenversicherung, Unfallversicherung, Krankenversicherung, Rentenversicherung, Pflegeversicherung).

Dafür ist die Staatsbürgerschaft der einzige Rechtstitel, der die Sicherheit des bürgerlichen, kapitalistischen Staates beanspruchen und gerichtlich einklagen kann, aber auch dessen Zwänge hinnehmen muß. Dafür ist die ideologische aber real verbreitete In-Eins-Setzung mit der Nationalität der emotionale und symbolische Ausdruck – was denn auch die direkte Anknüpfung für rechten Nationalismus und für Rassismus ist: Ideologisches Inklusionsversprechen (in die Klassengesellschaft) durch ideologische Exklusion von „Nicht-Deutschen“ oder faktische und rechtliche Durchsetzung der Inklusion aufgrund der Staatsbürgerschaft.

Wenn durch massenhafte Zuwanderung und deren vermeintliche oder tatsächlich bevorzugte Behandlung von nicht Staatsangehörigen, fraglich wird, ob die inklusive Wirkung der Staatsbürgerschaft nicht auch aufgelöst wird, dann entstehen Bedrohungsgefühle, deren unmittelbarer Anlaß nicht die sozialen Sorgen, sondern der Einbruch der Fremdheit ist.
Der Ausdruck Fremdenfeindlichkeit stellt die tatsächlichen Sicherheitsbedürfnisse und ihre vermeinliche sichere Erfüllung in arroganter Weise auf den Kopf – so als ob Fremden-Freundlichkeit auf Grund der menschlichen Natur das Normale und Fremdenfeindlichkeit eine unmoralische Abweichung von menschlicher Güte darstellen würde. Die vermeintlich weltläufige Offenheit und doch auch unverbindliche Hilfsbereitschaft aus den unbedrohten Mittelschichten erscheint als spontaner Ausdruck von Mitmenschlichkeit – und nicht als nur scheinbar spontane Reaktion, die ihre sozialen und staatlich artifiziellen Voraussetzungen nicht kennt oder gar ignoriert.

6. Für linke Politik ist das ein Spagat 

Der emotionale Appell an Mitmenschlichkeit ist ein wesentlicher Hebel für das linke Engagement für eine Interessenpolitik spezifischer sozialer Gruppen, der Arbeiterklasse und der weiteren Lohnarbeiterschaft. Aber andererseits müssen nicht nur die Aktivisten und Klassenangehörigen lernen, dass die netten Vorgesetzten oder Unternehmensinhaber genauso wie der nette Nachbar, der von Aktieneinkünften lebt, Klassengegner und damit soziale Feinde sind.

Eine Durchlässigkeit der Staatsbürgerschaft nach außen bedeutet emotional deshalb zunächst einmal auch die unklare Bedrohung ihrer Auflösung nach innen. Die Anwesenheit auf fremdem staatlichen Territorium ist aufgrund des Staatsbürgerschaftsrechts für alle Nicht-Staatsbürger illegal und rechtlich nur aufgrund einer Erlaubnis legal.

Die Verhältnisse in der EU, sowohl im Geschäftsleben, wie im Tourismus haben das Bewußtsein dafür langsam aufgelöst, weil die transnationale Übertragbarkeit von Ansprüchen aus den Sozialversicherungen, Bewegungsfreiheit im Schengenraum und die gemeinsame Währung im Euroraum fast als Recht aus einer EU-Staatsbürgerschaft wahrgenommen wird. Aber eine EU-Staatsbürgerschaft ohne Bürgerschaft in einem EU-Staat gibt es nicht. Daher sind alle Zuwanderer von Staaten außerhalb der EU auf solche Einreise und Aufenthalts-Erlaubnis angewiesen, es sei denn, es gibt ein Abkommen über Visumfreiheit. Eine andere Berechtigung besteht in der Inanspruchnahme des Status als Flüchtling nach der UNO-Charter, oder von nationalen Asylrechten. Diese sind aber beide von der Anerkennung des Einzelfalls durch diejenigen Staaten abhängig, zu denen Zutritt verlangt wird.

Wie wenig selbstverständlich die Offenheit von Staaten gegenüber der Einreise von Fremdstaatlern sind, könnten gerade die so polyglotten Fremdenfreunde anhand des Einreiseregimes der USA prüfen.

Ein weiterer Aspekt der Krise um die Nahost-Flüchtlinge sollte für Kommunisten dagegen sehr einfach sein. Welche Umstände und Zustände in den Ursprungsländern haben zu den Zuwanderungen, zu Flucht, Vertreibung oder einfach Migration geführt, und welche Ursachen oder welche Verursacher sind dafür verantwortlich (im doppelten Sinn). Bei den Nahost-Staaten und besonders bei Syrien dürfte die Lage eigentlich klar sein, während die sozio-ökonomischen und politischen Verhältnisse in den Subsahara-Staaten Afrikas etwas schwieriger und vermittelter liegen.

Diese Umstände und Ursachen klar und deutlich den eigenen Mitgliedern und den Sympathisanten zu erklären, wäre eine der wichtigsten Aufgaben für Kommunisten in dieser Krise, u.a. weil der sonstige praktische Einfluß nur sehr gering ist.

Eine ganze Reihe von Nahost-Experten, die z.T. weit entfernt davon sind Marxisten zu sein, benennen in scharfen und unverblümten Worten die USA mit ihren Regierungen und deren Kriege, als Verursacher und Verantwortliche, die geheimdienstlichen Machenschaften, mit Putschen und Ermordungen von Politikern, sowie von Anschlägen und Anstiftungen von Bürgerkriegen und ihre politisch-ökonomische Erpressungspolitik, und ihre Bündnisse mit den reaktionärsten und menschenfeindlichsten Diktatoren und Feudalregimes als Ausfluß ihrer Interessen am Öl in Nah-Ost und der damit auch verbundenen Geostrategischen Interessen – letztlich, wenn sie nicht siegen können, die Produktion von Chaos, von „failed states“ und von zerstörten Gesellschaft sowie deren ökonomischer Infrastruktur. Genannt seien nur die Journalisten Leukefeld in vielen Interviews auch in der Jungen Welt, und Michael Lüders, der sogar im Fernsehen mit diesen Ansichten interviewt wird. Gern könnte dann auch die Tradition des US-Imperialismus spätestens seit Ende des II Weltkrieges angeführt werden.
Wo und wann ist diese eindeutige historische Zuschreibung in unseren Medien erfolgt? Meist wird sie verwässert und damit sogar beschönigt, indem die Beteiligung der BRD mit ihren Waffenexporten in diese Gegenden und diese Regime genannt werden, die Beteiligung an den US-Machenschaften und Kriegen als eigenständiges imperialistisches Interesse der BRD angedeutet wird. Dabei kann gerade im Nahen Osten auch jeder Laie sehen, dass ein objektives Interesse an Industrieexporten nur bei friedlichen und prosperierenden Verhältnissen möglich ist, und von den USA zugelassen werden muß – siehe das Embargo über den Iran oder seit einiger Zeit über Syrien. Die Vorstellung von Interessen, die die BRD aufgrund eigenen militärischen Einsatzes im Nahen Osten, ohne oder gegen die Zustimmung der USA haben und durchsetzen könnte, ist reine Phantasie – ohne der BRD-Regierung und den Industrieinteressen eine besondere Friedfertigkeit zu unterstellen. Dass immer mal wieder Politiker gerade der CDU/CSU, aber auch der SDD, wie Steinmeier, von solchen deutschen oder europäischen militärischen Optionen schwadronieren, macht solche angeblich objektiven imperialistischen Interessen nicht wirklicher.

7. Wer sind die Zuwanderer?

Eine letztes Problem stellt sich für den Umgang fortschrittlicher Kräfte mit Flüchtlingen aus Diktaturen und Bürgerkriegen, besonders aus Syrien.
Es muß ja doch überraschen, dass zu einem sehr engen Zeitpunkt sich eine solche Welle von Flüchtlingen aus Syrien oder aus Camps in den angrenzenden Staaten auf den  riskanten, aber auch teuren Weg macht. Dass sich die Kämpfe gerade besonders zuspitzen und entweder die Islamisten oder die Syrische Regierung besonders große Geländegewinne, also Städte und Stadtteile gewonnen hätten, ist aus den offiziellen Medien und auch aus den oppositionellen Internetquellen nicht zu entnehmen. Plausible Informationen dazu gibt es nicht. Nur Spekulationen, dass aus Kreisen der US-Unterstützung der Regierungsgegner neuerdings finanzielle Mittel für die Migration in die EU bereitgestellt würden. Was zutreffen mag. Brisant würde dies nur, wenn es massenhaft geschähe. Das würde heißen, dass die massenhafte Vorhaltung von Flüchtlingen in den Lagern nicht mehr als erfolgversprechend angesehen werden – und das hieße, dass die Kriegstreiber die Aussicht auf den Sturz der syrischen Regierung aufgegeben hätten.

Die Überlegung, dass das Sponsering der massenhaften Flucht nach Europa und besonders in die BRD hier soziale und politische Schwierigkeiten produzieren soll, klingt zwar verführerisch, wäre dann aber wohl doch eher ein möglicherweise willkommener Nebeneffekt.

Dass die politische Spitze der BRD und der politischen Parteien ihre bisherige Abwehr von Flüchtlingen aus dem Mittelmeer mit der Propaganda der illegalen Einreise wie auf Knopfdruck in eine Willkommens-Propaganda und –Praxis für die Welle von jungen Syrern umgewandelt haben, ist dagegen wohl kaum auf eigenen freiwilligen Entschluß zurückzuführen. Da wird man wohl einen dringenden Ratschlag des große Bruders vermuten dürfen. Und schon nach wenigen Tages wird das große Tor wieder in ein Schlupfloch zurückverwandelt, was da der große Bruder wohl sagen wird.

Gerade auch politische Flüchtlinge sind als Oppositionelle und als Beteiligte an Bürgerkriegen nicht immer nur Opfer, sondern Aktive oder gar Aktivisten. Für den Krieg in Syrien ist bekannt, dass Gegnern des Staatspräsidenten und der jetzigen Verfassung Syriens Aktivisten in der BRD einen politischen Ausbildungsstützpunkt hatten und haben, der von der Bundesregierung zumindest gefördert wurde. Außerdem gab es längere Zeit Kampagnen von angeblichen Nicht-Regierungs-Organisationen (den so unverdächtigen NGOs) aus den USA, wie „Adopt a Revolution“, die massiv von Teilen der Grünen und der TAZ propagiert und gefördert wurden.

Diese Leute sind mit wenig Aufwand auszumachen, und ihr Anzetteln des Bürgerkrieges und der Interventionen durch „Befreiungskämpfer“ von Außen, öffentlich anzuprangern. Welche von den vielen ordentlich und gesittet auftretenden, sowie gut genährten und ordentlich rasierten jungen Männern ohne oder mit Bart von der Balkanroute, die man in jedem Fernsehbild, neben den weniger zahlreichen aber als Motiv beliebten Müttern und Vätern mit Säuglingen und Kleinkindern, sieht, Aktivisten des Bürgerkrieges und der Interventionen waren, ist nicht herauszubekommen. Das wird höchstens formell aufgenommen: zivile, vielleicht auch militärische, Opposition des Kampfes gegen das „Assad-Regime“ gilt mit Sicherheit als Grund für politisches Asyl. Dass sich dagegen viele sog. „Islamistische“ Kämpfer unter den Flüchtlingen befinden ist wohl eher unwahrscheinlich.

Im konkreten Umgang mit Flüchtlingen stellt sich nach einer Phase der Krisenbewältigung auch diese Frage und erfordert eine sorgfältige Praxis.
Für eine linke, eine materialistische Haltung in der Frage der massenhaften Ankunft von Flüchtlingen sollten die praktischen und objektiven Interessen der Lohnabhängigen im Vordergrund stehen:
Hilfe insofern und insoweit die sozialen Sicherungssysteme mit ihren Leistungen gewährleistet und die Beiträge aufrecht erhalten bleiben, bei der Wohnungsversorgung und der Mieten, vor allem bei der Frage von Arbeitsplätzen, der Eingrenzung der Konkurrenz, der Arbeitslosigkeit, der Steuerzahlungen und der Versorgung mit Sozialen Diensten. 

Dringend gefordert ist eine Wirtschaftspolitik des Zuwachses von Normal-Arbeitsverhältnissen, des Abbaus der Arbeitslosigkeit, der Arbeitszeitverkürzung, der Lohnerhöhungen und des ökonomischen Wachstums – kurz der radikale Abschied von der neoliberalen Austeritätspolitik und der Begünstigung des Kapitals, im besonderen des Bank- und sonstigen Finanzkapitals.

Für die Vermeidung von Ghettobildungen und Gruppenausgrenzungen, was auch im Interesse der breiten Lohnarbeiterschaft liegt, wäre eine aktive Heranziehung der Migranten in die Solidarorganisationen der Lohnarbeiterschaft, also vor allem der Gewerkschaften, die wichtigste Aufgabe – so würden aus fremden Konkurrenten am ehesten Kollegen, die man nicht mögen muß, aber mit denen man solidarisch ist!


Jörg Miehe